
EIN
AUTO MIETEN IN TOBAGO
Fortbewegungsmittel
Falls Sie die Insel mit öffentlichen Verkehrsmitteln
erkunden wollen, ist das generell eine schlechte Idee, außer Sie
sehen sich nur da die Umgebung an, wo der Bus hält. Meist ist das
unattraktiv für Gäste. Natürlich nicht, wenn da eine Tante, Oma
oder Bekannte wohnen. Wenn nur ein paar Busse täglich in eine Richtung
fahren, ist der Ausstieg in einem Weiler wie z.B. Goodwood recht
sinnlos, nur wissen Sie das natürlich vorher nicht. Darum sei es
hier erwähnt. Wenn Sie nach zehn Minuten feststellen, dass es außer
36 Häusern und einem Rumshop (geschlossen oder mit drei lallenden,
männlichen Tobagoniern bestückt, die Ihre Sprachprobleme so richtig
zum Vorschein bringen), nichts zu erkunden gibt und das Meer 50
Meter unter Ihnen an eine felsige Küste brandet (zu der kein sichtbarer
Pfad hinunterführt), ist das ärgerlich. Noch ärgerlicher wird es,
wenn die einzige Holzbude, die so aussieht, als verkaufe sie Ess-
und Trinkbares, darunter fettige Kartoffelchips in der Tüte, abgepackte
Weißbrotschnitten (man hüte sich vor dem Hersteller ‚Kiss', man
kann alle 24 Schnitten mit einem Fausthieb zu einer handtellergroßen
Scheibe schlagen), Pfefferminzbonbons und heftig gezuckerte Limonaden
versteht. Ungekühlt, weil der Kühlschrank kaputt ist. Als Dreingabe
erzählt man Ihnen, dass der nächste Bus vielleicht in zwei Stunden
vorbeikommt. Ihr Tag (und Ihre Laune) ist wahrscheinlich im Eimer.
Außer Sie sind sehr hartgesotten und trotten zum nächsten Weiler,
um festzustellen, dass es da genauso aussieht. Nur kommt bis dahin
vielleicht der nächste Bus. Wie gesagt, Goodwood war nur ein Beispiel.
John Dial, Mt. St. George, Belle Garden, Richmond, Argyle, Louis
d'Or, usw. usw., um nur einige zu nennen, sind genauso strukturiert.
Der
Fahrplan der öffentlichen Busse sollte am Busbahnhof in Scarborough
aushängen, der sich auf dem Gelände der Sangsters Hill Mall befindet.
Sie können die Tickets aber nicht im Bus kaufen. Dies müssen Sie
vorher erledigen, am Busbahnhof, in Läden oder an Kiosken, fragen
Sie einfach.
Private
Kleinbusse (Maxi Taxis) werden immer seltener. Die Kleinbusse
waren einst ein beliebtes Fortbewegungsmittel, aber nachdem auch
in Tobago immer mehr Menschen pünktlich in der Arbeit sein sollten,
fahren die meisten Maxi Taxi Besitzer entweder Schulkinder, oder
sie arbeiten als Ausflugsbusse mit Hotels zusammen. Früher wusste
man recht genau, wann die Maxi Taxis wohin fuhren (mit 1-2 Stunden
Zeitverschiebung, das war normal). Jetzt funktioniert das nicht
mehr. Es haben auch viele tobagonische Haushalte ein Auto und Maxi
Taxi Besitzer mussten sich notgedrungen andere Erwerbsquellen suchen.
Straßentaxis:
dazu siehe auch das Kapitel ‚Das Auto'. Generell sei an dieser Stelle
dazu gesagt: sie sind unzuverlässig, laut (Musikpegel), heiß, eng
und unsicher. Bestimmte Fahrer fahren nur bestimmte Strecken, dann
müssen Sie umsteigen und wieder an der Straße (in der Sonne) stehen
und mit dem Arm wedeln. Früher, so ungefähr bis Mitte der 90ger
Jahre war der Fahrstil in Tobago im Vergleich zu vielen anderen
Ländern rücksichtsvoll, den Straßenverhältnissen angepasst und gemächlich.
Mit dem sprunghaften Anstieg von Autofahrern (vor allem jungen Fahrern)
und neuen, schnelleren Autos hat sich dies leider zum Negativen
hin verändert. Wenn Ihr Straßentaxi mit 120 Stundenkilometern in
der zweiten Reihe überholt, werden Ihre Hilferufe möglicherweise
in Rapbässen erstickt. Bei Gegenverkehr.
Man mag über die Italiener sagen was man will, als Autofahrer zeigen
sie außer der Beherrschung der Fahrkunst eine gewisse kriminelle
Eleganz. Man stirbt sozusagen mit Stil. Tobagonische Fahrer zeichnen
sich durch einen völligen Mangel derselben Eigenschaften aus. Eine
Horde schwergeschädigter Dorftrottel, die noch nie hinter einem
Steuer saß, klauen ein paar Autos und fahren los. Sturzbetrunken.
Dieser Vergleich drängt sich häufig auf, da hilft nichts. Und jegliche
Hassmail nehme ich hiermit in Kauf, alle guten Fahrer werden mir
Fanmails schicken. Wenn ich mir's recht überlege: die anderen lesen
sowieso nicht, die überholen gerade in dritter Reihe.
Radeln
ist generell auch eine schlechte Idee. Wenn Sie nicht gerade für
die nächsten Olympischen Spiele trainieren oder ausgesprochener
Radfanatiker sind, vergessen Sie es. Auch die Fanatiker sollten
bereits in den Tropen geübt haben. Sie können noch so gut trainiert
sein, aber spätestens ab 10 Uhr morgens, wenn die Sonne brennt,
und Sie sich von einem Schlagloch zum anderen fluchen, immer auf
der Hut, ob nicht ein wahnsinniger Autofahrer um die nächste unübersichtliche
Kurve geschossen kommt (der gerade ein anderes Auto überholt), werfen
Sie das Rad in die Ecke. Die Luftfeuchtigkeit ist sehr hoch, sie
müssen literweise Trinkwasser und Ihr Flickzeug (bei platten Reifen)
mitführen. Sie schwitzen wie wahnsinnig und der Kreislauf macht
schlapp. Die Aussicht ist zwar toll, aber Ihr Blick sollte nicht
schweifen, sondern strikt an der nächsten Kurve oder auf dem Asphalt
kleben.
Radfreundlicher ist die Gegend um den Flughafen, Mt. Irvine und
Plymouth bis Arnos Vale, Lowlands usw. Ab Scarborough nordwärts
wird es haarig, und zwar auf beiden Seiten der Insel. Die Räder,
die Sie hier mieten können, sind unberechenbar. Wenn Sie ein neues
erwischen, ist das fein, aber sehr lange neu sind die wenigsten.
Motorräder
mieten siehe oben, aber Sie brauchen auch für kleine Scooter in
Tobago den Motorradführerschein. Relativ teuer sind die kleinsten
auch schon. Vergessen Sie auch nicht, kurz vorher das Krankenhaus
zu besichtigen, nur damit Sie im Falle des Falles nicht nervös werden.
Die
attraktive Alternative ist entweder eine geführte Inseltour (z.B.
mit Sunbird Holidays) oder ein netter, bequemer Mietwagen.
(Darum haben auch so viele Tobagonier Autos. Unsportlich sind sie
eigentlich nicht.) Es sind die schönsten und entspannendsten Formen,
die Insel zu erkunden. Achtung: Linksverkehr! Manch einer mag jetzt
denken: klar, dass sie das sagt ( die Autorin), ihr gehört ja eine
Mietwagenfirma. Richtig? Falsch. Zuerst war da die Unterkunftsagentur.
Nach einem Jahr unzähliger Hilferufe nach einer zuverlässigen Autovermietung
konnten wir es nicht mehr mitansehen, wie andere Mietwagenfirmen
mit unseren Gästen ihr Einkommen mehrten. Da haben wir dann reagiert.
Markt und Nachfrage, nicht wahr?
Generell
ist der öffentliche Nahverkehr in Tobago unzuverlässig, unregelmäßig
und zeitraubend, vor allem am Abend, an Wochenenden, an Feiertagen
und in bestimmten Gegenden
Das
Auto, die wahre Geliebte Ein Gast hat dieses Verhältnis einst
ungemein treffend formuliert. Er weigerte sich zwei Tage lang, ein
Auto zu mieten. Am dritten Tag meinte er haareraufend: "Tobago ohne
Auto ist wie ein Klo ohne Spülung." Ich bitte ihn hiermit um Entschuldigung,
ich habe seinen Namen vergessen. Er sollte hier lobend erwähnt werden.
Man kann natürlich auch Taxi fahren. Manche haben sogar schon ein
Taxischild auf dem Dach. Das sind die ‚Offiziellen'. Sie kosten
wesentlich mehr als ‚Straßentaxis', dafür haben sie auch deftige
Unkosten (Vollkasko, Registrierung etc.). Das heißt, sie bestreiten
mit dieser Tätigkeit einen Lebensunterhalt. Es existieren auf Tobago
drei verschiedene Arten von Taxis. Bei zweien davon beginnt das
Nummernschild mit ‚H' (für hired = gemietet). Entweder es handelt
sich um ein Einzeltaxi (teurer, da es nur auf Bestellung fährt,
siehe oben), man kann sie auch vor Hotels warten sehen. Oder es
sind offizielle Straßen-/Sammeltaxis, die bis zu vier bis fünf Passagiere
aufsammeln und auf Zuruf wieder absetzen (billiger, aber zeitaufwendiger
und unbequemer). Das Nummernschild der dritten Art beginnt mit ‚P'
für ‚private', wie auch normale Privatautos. Diese Art Straßentaxi
ist also ein Privatauto, dessen mehr oder minder fahrbegabter Fahrer
(nicht unbedingt Besitzer) vier bis fünf Menschen in sein Auto stopft
und möglichst schnell, rücksichtslos und mürrisch einige der wenigen
Straßen auf und abfährt. Solange er Lust und Zeit dazu hat. Oder
Geld fürs Benzin. Im Volksmund werden sie auch ‚pirate taxi' (Piratentaxi)
genannt. Die Fahrer sind sogenannte ‚PH'Driver (PH = private hire,
ausgesprochen ‚pi aitsch' ). Ihre Tätigkeit nennt sich im Volksmund
auch ‚pull bull' (= den Stier ziehen', im übertragenen Sinn heftig
und kräftig das Auto auf- und abbewegen). Sie sind entweder gerade
knapp bei Kasse, oder sie wollen generell ihr Einkommen etwas anheben.
Sie bewegen sich in einer versicherungstechnischen Grauzone, und
sehr viele junge Fahrer meinen, auf diese Weise finanziell überleben
zu können. Ganz abgesehen davon, dass ein Auto in Tobago zur Vervollkommnung
des männlichen Image unverzichtbar ist. Falsch, das I-Tüpfelchen
sind coole, blitzende Speichen. Ja ja, also nicht nur in Tobago,
ist ja gut.
Woah,
da sah ich doch neulich in der Auslage eines Autozubehörladens eine
Spraydose. Zuerst dachte ich an Fliesenreiniger. Dann las ich die
Aufschrift ‚Black and Wet'. Ein schwarzes Spray für Fliesen? Weit
gefehlt, man sprüht es auf Autoreifen ‚For a shiny, wet and black
look.' Einfach toll, auf was Männer so stehen...
Zurück
zu den ‚PH-Cars': die Fahrer sehen am Ende des Tages ein faustdickes
Bündel roter Ein-Dollar-Scheine und verdrängen die Kosten für Instandhaltung,
gute Reifen und Bremsen. Ein durchschnittlich ‚arbeitendes' Straßentaxi,
(sechs Tage die Woche, etwa acht Stunden täglich), bräuchte eigentlich
einen kompletten Satz Reifen und Bremsbeläge pro Monat, um nur die
wichtigsten Teile zu nennen. Eine unsinnige Investition, meinen
viele. Aquaplaning? Ist das ein neues Getränk? Erst die Musikanlage
für TT$ 10.000 abbezahlen, DIE gehört in ein richtig männliches
Auto. Die meisten Tobagonier sprechen von ihrem Auto als einer ‚SHE'.
Oder machen das andere Nationalitäten auch?
Es
gibt Fahrer, denen der Wagen nicht gehört, sie fahren für den Besitzer.
Der Besitzer erhält einen festgelegten Tagessatz, den Rest kann
der Fahrer behalten. Wenn der Verdienst allerdings darunter liegt,
zahlt der Fahrer drauf. Man fährt üblicherweise fünf Tage für den
Besitzer, ein Tag geht in die eigene Tasche, ein Tag steht der Wagen.
Benzinkosten gehen zu Lasten des Fahrers, Instandhaltung und Versicherung
ist dann Sache des Besitzers. Der Deal ist durchaus fair. Autos
im allgemeinen (auch gebrauchte) und manche Ersatzteile sind auf
der Insel schwindelerregend teuer. Taxifahrten in Straßen-/Sammeltaxis,
so heiß und nervtötend sie sein mögen, sind unentbehrlich zu Studienzwecken.
Mindestens ein oder zweimal sollte sich der Besucher diese Art der
Fortbewegung schon antun. Damit er ein nettes (gebrauchtes, gut
gewartetes) Mietauto auch zu schätzen weiß. In früheren Zeiten empfahl
ich die Fahrten aus Gründen der Entspannung und geistigen Zerstreuung,
um der Musik willen, des Staunens ob der verschiedenartigen Gestaltungsmöglichkeiten
eines Armaturenbretts, des Aufnehmens zwischenmenschlicher Kontakte
inner- sowie außerhalb des Autos, des Verkehrsablaufs und der Flora
und Fauna um einen her. Man konnte über die Phantasienamen der Autos
und die Spitznamen der Fahrer grinsen. Man durfte über die alltäglichen
Gebrauchsgegenstände, die eingekauft wurden staunen oder tobagonischem
Dialekt bei wilden Diskussionen über ein verlorenes Cricketspiel
zuhören. Wenigstens wusste man dabei nie genau, WAS man eigentlich
nicht verstand, die Spielregeln oder das Gerede. Für landeskundlich
Interessierte waren Taxifahrten immer amüsant. Es konnte passieren,
dass der Fahrer sich über Politik, den Begriff ‚Regression im Alter'
oder den Familienstand unterhalten wollte. Oder er baggerte einen
weiblichen Fahrgast ungeniert an. Manch einer redete auch gar nichts,
weil er meinte, Sie verstünden sowieso nichts. Andere hatten Probleme
mit Touristen oder waren grantig und müde. Die letzteren sind jetzt
in der Mehrzahl. Vielleicht finden Sie ja noch ein paar gemütliche
‚Oldtimer', ich wünsche es Ihnen. Die meisten ‚PH' Driver heutzutage
sind jung, schweigend und mürrisch. Wahrscheinlich denken sie, das
sei cool. Bezahlen Sie generell erst kurz, bevor Sie aussteigen
wollen. Anderes Treiben wäre ‚uncool'. Die Preise sind fix, je nachdem
welche Strecke man fährt, erkundigen Sie sich vorher bei Ihrem Gastwirt.
Haben Sie kleine Scheine dabei (einzelne TT$-Noten), die Fahrer
können selten Hunderter wechseln. Spätestens nach zwei Fahrten mieten
Sie sowieso ein Auto, außer Sie stehen auf eine besonders perverse
Form der Selbstverstümmelung.
Die
Sammelpunkte der Straßentaxis bzw. zentrale Haltepunkte derselben
müssen Sie erfragen. Es gab da früher ein lustiges Phänomen in Scarborough
an der Ecke der Scotia-Bank. Dort war einst ein relativ fester Haltepunkt
in Richtung Mason Hall / Moriah. Ab und zu trat ein Ereignis ein,
welches man als sporadisch auftretendes Durchsetzen sinnloser Verkehrsregeln
bezeichnen konnte, nämlich ein prinzipielles Halteverbot an dieser
Stelle. Man stand am Straßenrand, deutete brav mit dem Zeigefinger
nach unten und kein einziges Auto hielt. Als man gerade zu verzweifeln
begann, konnte man ein bis drei uniformierte Personen, mit oder
ohne Motorrad scheinbar ziellos plaudernd (Liming ohne Bier) an
der Hafenmauer schräg gegenüber lehnen sehen. Die Polizei wachte
eine nicht vorhersehbare Zeitspanne lang darüber, dass das geltende
Halteverbot vorübergehend eingehalten wurde, was den Ablauf des
Alltagslebens deutlich verzögerte. Man wanderte also entgegen der
gewünschten Fahrtrichtung entspannt die Straße entlang, bis man
nach der Biegung die schönen Uniformen nicht mehr ausmachen konnte.
Da traf man auch all die anderen wartenden Menschen wieder, die
man bereits so schmerzlich vermisst hatte. Auch die Autos hielten
dort, etwas uncool gehetzt, aber dennoch. Besagte Polizisten warteten
nach Dienstschluss (sofern autolos und im Gebiet Mason Hall / Moriah
wohnhaft) selbstverständlich auch am altbekannten Straßenrand und
stoppten einen Wagen, um nach Hause zu kommen. Ach ja, lang ist's
her!
Heutzutage
hat sowieso fast jeder ein eigenes Auto, dafür steht man jetzt im
Stau. Ein weiterer Taxiplatz für Fahrten nach Carnbee, die Flughafengegend
und andere befindet sich vor dem Hafengebäude, die einst so verworrene
Angelegenheit ist etwas strukturierter. Der vorderste Wagen am Anfang
der Reihe (man frage nach dem Anfang) fährt meist erst dann, wenn
er voll ist, dann rückt der nächste nach. Wenn Sie einen Termin
mit einem Flieger haben, sollten Sie das als unbekannten Faktor
in die Zeitrechnung miteinbeziehen.
Mit
der Gurtpflicht (vorne) wird auf typisch tobagonische Weise umgegangen.
Sie wird situationsbedingt gehandhabt. Auf dem ‚Highway' und in
größeren Ortschaften steigt die Wahrscheinlichkeit polizeilicher
Präsenz. Beim Fehlen dieses Ärgernisses schnallt sich manch einer
schon mal ‚ab', z.B. bei Überlandfahrten (bei uns sagt man dazu
‚we go country'). Und alles nördlich unserer großen, blitzenden
Weltstadt Scarborough ist sowieso ‚country'. Ein Gurt behindert
außerdem beim Grüßen sowie beim Einnehmen einer völlig entspannten
Fahrhaltung, die allgemein halb liegend ist, wobei der Arm aus dem
Fenster baumelt.
Wie
erkennt man denn nun die einzelnen Taxiarten? Tja, schwierig, besonders
bei zunehmender Dunkelheit. Diejenigen, die an den Taxiständen parken,
sind oft (nicht immer) die teuren, allerdings kann man in bestimmten
Fällen einen vernünftigen ‚Deal' aushandeln. Als Beispiel sei der
Transport zu und von einer Veranstaltung genannt zu einem vorher
festgesetzten Pauschalpreis. Am besten überlassen Sie die Verhandlungen
Ihrem Hauswirt. Warum meinen Sie nur immer, dass Sie es besser können?
Ein ‚offizieller' Taxifahrer ist wesentlich sicherer und zuverlässiger.
Achtung: ab 22.00 steigen die Kosten, wie überall auf der Welt.
Also gucken Sie nicht so griesgrämig, es ist ein Auto, keine Rikscha.
Trinkgelder
für Transfers sind übrigens auch in Tobago willkommen, vor allem
wenn man am Flughafen herumgewartet hat, Zwischenstops bei Supermärkten
einlegt, Koffer schleppt und auf dem Weg noch schnell ein paar Witze
reißt und Sehenswürdigkeiten erklärt. Seien Sie doch nicht so knauserig,
in München, Frankfurt oder wo auch immer runden Sie den Endbetrag
doch auch automatisch auf. Himmel noch mal! Zählen Sie da auch den
genauen Betrag ab? Fragen Sie doch dort den Fahrer, ob er noch schnell
bei Aldi hält (und die Uhr abstellt), wenn Sie gerade aus dem Flieger
getrottet sind.
Wenn
Sie Straßentaxis benutzen möchten, winken Sie in den fließenden
Verkehr hinein, und diverse Autos werden anhalten, sofern Platz
ist. Stehen Sie auf der ‚richtigen' Straßenseite, und verrenken
Sie sich nicht den Daumen. Strecken Sie den Zeigefinger nach unten
oder oben wie in der Volksschule. Stoppen Sie keine Autos, deren
Nummernschild mit ‚R' beginnen (= rented, gemietet), das sind registrierte
Mietwagen, also Touristen wie Sie oder Einheimische, unterwegs zu
einer Hochzeits, -Geburtstags- sonstigen Feier. Dazu mietet man
ein Auto, wenn man schon kein eigenes hat. Ja, wie sähe das denn
sonst aus? Tante Cassandra und Onkel George sind hinlänglich bekannt
für blöde Bemerkungen.
Mit
fortschreitender Stunde, an Wochenenden und Feiertagen werden die
Transportmöglichkeiten spärlicher. Dann schlägt die Stunde der offiziellen
Taxistände, oder der paar Unentwegten, die noch dort ausharren.
Der Rest ist, genau, beim ‚Liming'. Oder verdaut das ausgiebige
Abendessen. Natürlich können Sie telefonisch z.B. vom Restaurant
aus ein Taxi bestellen lassen. Es kann ein wenig dauern, nach einer
halben Stunde dürfen Sie noch mal anrufen lassen. Hoffnungslos ist
das Unterfangen an Tagen wie Weihnachten, zu der Zeit sollten Sie
wirklich ein Auto mieten. Versuchen Sie das auf keinen Fall am gleichen
Tag, reservieren Sie Wochen vorher. Mietautos zur Weihnachtszeit,
an Karneval und Ostern sind rar, viele Unternehmen vermieten gar
nicht erst für einen Tag, oder es sind nur noch die absurd Teuren
oder Reparaturbedürftigen übrig. Die Inselbewohner sind an Feiertagen
ebenfalls auf der Suche nach günstigen Mietautos. Viele bekommen
Besuch von der ausgedehnten trinidadischen Verwandtschaft oder dem
Ausland. Übrigens: ‚vehicle' ist ein korrektes englisches Substantiv
für ‚Fahrzeug', keine Bezeichnung für eine Schrottmühle.
Als
Inselbewohner im Besitz eines eigenen Wagens zu sein, ist fast unerlässlich.
Die Kosten für Anschaffung sind immens, dazu kommt die Versicherung,
die Gebühr bei Zulassung und Besitzerwechsel (zwischen 200,- und
1000,- Euro, bei Gebrauchtwagen je nachdem wann der Wagen das erstemal
auf der Insel zugelassen wurde), Benzin (spottbillig!!! Wir sind
in der OPEC!) und Instandhaltung (schwierig). Vor allem bei den
Straßenverhältnissen. Wenn Sie uns noch so oft nahe legen, dass
wir die Stoßdämpfer erneuern sollten, tun wir das trotzdem nur einmal
jährlich pro Auto. Solange die Besucher jedes Schlagloch mit sechzig
km/h testen wollen, gehen wir lieber ab und zu schön zum Essen.
Wir
sind ein Schwellenland, harrend auf den Sprung in die Erste Welt.
Es kann noch ein Weilchen dauern, wir wissen es. Als Vorbereitung
dazu hat in den letzten Jahren die Zahl der Autobesitzer ungeheuerlich
zugenommen. Außer dem Auto als Ausdruck gehobenen Images und männlicher
Lebenslust lag das zum Teil an der Einführung der ‚foreign used'cars,
das waren Autos, die gebraucht in Einzelteilen aus Japan verschifft
wurden. In Trinidad wurden sie zusammengebaut und dann durfte der
Verbraucher zum Preis von 5000 bis 10.000 Euro zuschlagen. Klar
war das teuer, aber diese Wagen waren generell in wesentlich besserem
Zustand als trinbagonische Gebrauchtautos, die jahrelang als ‚PH
Cars' über den Highway gejagt wurden. Zu den Anschaffungskosten
kam dann noch eine steuerbedingte Zulassungsgebühr zwischen 4000
und 6000 Euro. Aber wenn man sich ins Gedächtnis rief, dass ein
kleiner Neuwagen hier nicht unter 20.000 Euro zu bekommen ist, lohnte
sich der Deal auf alle Fälle. Dann schaffte die Regierung die ‚foreign
used cars' ab. Sozusagen über Nacht saß man händeringend vor der
Wahl, autolos zu werden, am 32-jährigen Oldtimer herumzuschweißen
oder als Geschäft pleite zu gehen. Trinbago rebellierte, die Bevölkerung
grummelte bedrohlich. Also zog man die ‚Roll on Roll Off' Lösung
aus dem Hut. Autos kommen ‚in einem Stück' direkt aus Japan, älter
als fünf Jahre dürfen sie auch nicht mehr sein und ein Satz neuer
Reifen muss aufgezogen werden. Das macht der Dealer und schlägt
es auf den Endpreis. Die Autos rollen in Japan auf das Schiff und
in Trinidad wieder herunter. ‚Roll on Roll off'. An sich ist die
Lösung recht sinnvoll, nur kosten die billigsten ‚Vehicles' jetzt
8000 Euro, bei einem Durchschnittsverdienst von Euro 600 monatlich
ist das schwindelerregend. Dafür kann man sie beim Dealer übers
Internet bestellen, das ist fein. Na ja, man kann sich anschauen,
was man gerne bestellen würde, das ist fast so unterhaltsam wie
Fernsehen. Trotz vorher Erwähntem und halsabschneiderischen Zinsen
bei Bankkrediten (10 - 15 %!) sieht man immer mehr Fahrer alleine
oder höchstens zu zweit im Auto sitzen. Laut einer statistischen
Untersuchung kann Trinidad/Tobago in Relation zur Bevölkerungsanzahl
eine der höchsten Autozulassungen weltweit vorweisen.
Gehen
wir ein paar Jährchen zurück in der tobagonischen Geschichte und
sehen uns an, wie das früher so war. Da war ab dem Moment der Zulassung
das Auto sozusagen Allgemeingut. Überall und zu jeder Zeit und Unzeit
lauerten Menschen am Straßenrand, die den Fahrer bzw. sein Auto
kannten und mitgenommen werden wollten. Man war nie allein oder
gar einsam bei Überlandfahrten. Der Beliebtheitsgrad des Fahrers
stieg mit der Qualität der eingebauten Musikanlage, damit allerdings
auch die Benzinkosten und der Zeitaufwand. Sich als Einheimischer
diesem Sozialverhalten entziehen zu wollen, bedeutete, dass man
ein asoziales Element war. Daher kam auch die weitverbreitete Sitte,
‚Wegegeld' von Anhaltern zu kassieren, oder die Benzinkasse durch
gelegentliche Landfahrten aufzubessern, um nicht hoffnungslos bankrott
zu gehen. Anhalter mitzunehmen war trickreich. Wer hatte schon die
Nerven und das Herz, eine dreizentnerschwere Oma mit drei Enkelkindern
(zwei davon im Kindergartenalter) und fünf riesigen Taschen bepackt
NICHT den zwei Kilometer langen, schlaglochübersäten Trampelpfad
zu ihrem idyllisch gelegenen Haus auf dem Hügel hinaufzufahren.
Wer hätte sodann überstürzt das Weite gesucht, wenn dieselbe Oma
freundlich befahl, 'just a moment' zu warten, um Tochter Gloria
mitzunehmen, die sich heute zufällig in das gleiche Dorf wie der
Fahrer begeben müsse zu ihrem Onkel, dessen bester Freund doch mit
einer Cousine des Fahrers verheiratet sei. Nun denn, so wartete
man eben. Dass Gloria damals wie heute ein Viertelstündchen brauchte,
um sich aufzubrezeln, die Parfumflasche über sich zu entleeren und
gemächlich fertigzuessen, verstand sich von selbst. Auf der Weiterfahrt
traf man dann Patrick, bereits etwas angetrunken, der behutsam sein
zeterndes, altes Mütterchen im Auto verstaute, das die Schwester
in Goodwood (das weiße Holzhaus unten an der Bucht, dritte Abfahrt
rechts nach dem Ortsschild, Trampelpfad!) besuchen wollte. Seniorenliming.
So wurde mit fortschreitender Tageszeit aus der kleinen, ursprünglich
geplanten Spritztour zu Kumpel Leroy nach Delaford ein ausgefülltes
Halbtagesprogramm. Man konnte ihm nur entgehen, wenn man eine eigene
Familie gründete, mit ihr zusammenlebte und herumfuhr. Also blieben
die meisten doch lieber hilfsbereite Fahrer. Das bleiben sie immer
noch, nur nicht mehr so hilfsbereit. Zeit ist Geld, auch in Tobago.
Mit zehn TT$ überlebt man keinen Tag mehr.
Nach
der Teilnahme an solch einer Tour war nun ein eher zufällig dazwischen
geratener mitfahrender Tourist zwar etwas apathisch ob der Hitze,
des Hungers und der verworrenen Familienverhältnisse. Aber er hatte
eines begriffen: warum die Frage nach der Zeit vollkommen relativ
ist. Es war sozusagen ‚learning by doing', eine praktische Lernerfahrung.
Jetzt muss er eben glauben, was ich zu erklären versuche. Die Frage,
wann eine bestimmte Person an einem bestimmten Ort einzutreffen
gedenkt, wird beantwortet mit ‚in a while' (in einer Weile) oder
auch ‚just now' (jetzt gleich, bald). Bei den früheren Überlandfahrten
traf es die Inselumstände exakt.
Jetzt
steht man im Stau, oder die Uhr ist stehengeblieben und das Handy
funktioniert nicht. Der Benzintank der Tankstelle wird gerade aufgefüllt,
oder der Strom ist weg und damit funktionieren die Zapfsäulen nicht.
Oder ein hundertjähriger Oldtimer zockelt unerbittlich mit 30 km/h
vor einem her. Ab Plymouth bis zum Flughafen. Bei immensem Gegenverkehr.
Übrigens: auch wenn Sie noch so oft sagen: ‚Das macht doch nichts,
wir haben ja Urlaub!' glauben wir Ihnen das einfach nicht. Sie sind
mäßig irritiert und versuchen das zu vertuschen.
Der
Liming Faktor ist natürlich zeitlos in jedem Sinne. Wenn Sie drei
Stunden auf jemanden warten, sind Sie unrettbar irre. Passieren
kann es ihnen jederzeit. Sollten Sie es dennoch tun und die Person
taucht auf und fragt Sie lächelnd: ‚How are you?', werden Sie nicht
handgreiflich. Die Täter sind frei von jeglichem Schuldbewusstsein
und wollen mitnichten ironisch sein. Mein Geschäftspartner erteilte
mir zahlreiche Lektionen in den konfliktträchtigen Anfängen meines
Inseldaseins. Für Sie gilt: warten Sie nicht! Organisieren Sie zuverlässigere
Personen, es gibt sie durchaus, man trifft sie nur nicht ‚einfach
mal so' beim Liming oder am ‚Beach'. Das liegt in der Natur der
Sache, sie sind unterwegs um pünktlich zu sein. Oder geben vorher
Bescheid, dass es später werden wird. So wie wir.
Auszüge
aus: Inselnachrichten - Tobago ohne Scheuklappen
Copyright 2007 Ulli Jenisch
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